Gruppe

Fons Artem


16.3.19 PAErsche OSP, Kölnberg, Köln
Grafik: Evamaria Schaller, Text: Irmgard Himstedt

 

engl. version see below

Fons artem
Doku
Material vorher:
Zwei weiße Wäscheklammern, ein weißes eigroßes Gummiväschen,
Ohropax
Material nachher:
Eine Wäscheklammer weniger, Franks weiße Kerze
Tun, Sehen und Hören bis ca. 20 Uhr:
Auf einer Reihe von weißen Hockern liegend versuche ich, vom Buffet-Aufbau-reaktivem-Raum-Orga-Verbalchaos zu entspannen, die Beine senkrecht die Wand hinauf, Thomas unter mir, „Die Gedanken sind frei“ im Loop pfeifend, was mir zusammen mit den nicht enden wollenden Hintergrundsgesprächen, den Aachener Strassengeräuschen, ankommenden Performer*innen und Sitzgelegenheiten suchenden Zuschauer*innen in dieser halligen, unangenehmen Akustik des Raumes zu viel wird. Zum Glück habe ich mein wunderbares rosa, weiches Ohropax dabei, mit welchem dann auch meine Gedanken wieder frei werden können.
… Später brauche ich es nicht mehr, später als ich immer wieder in den Fluss der sich aus offenen Quellen komponierenden Installationen gerate:
3 zitternde und mit Fäusten schlagende Körper an den Wänden
Franks silberne Helium-Riesenballons, ein E und ein S, verändern ihre Positionen, werden zum objektiven universellen ES, zum SEX mit einem X aus schwarzer Metallfolie, zum SEIN, zu Stopfmaterial unter meinem Shirt und zur Lärmquelle, bevor das Gas zumindest des einen entweicht und er wie ein untergehender Halbmond für eine Weile am großen Ast hängen bleibt
Duo mit der tanzenden Britta im Zwielicht der Eingangsrampe, Eisen-Türmusik, Spiel in der Transparenz der Gummilappentür.
Christianes momenthaft schönes Stahldraht-Gebilde, wie es da so unausgebreitet, groß ausgebreitet vor den unerträglich schattenlosen, titanweißen Wänden liegt.
Erholsames Verteilen von Constantins Kreditkarten und meiner beiden Wäscheklammern ans Publikum.
Kühlschrankboxen auf Anja H.’s Kopf stapeln. Wird sie das aus ihrer Trance erwecken?
Frühe Ernte – Frühes Ende. Gibt es überhaupt ein Ende einer offenen Quelle? „Fons“ lat.: „Quelle“
Keine Fotos:
Für mich ein echtes wiederholungswürdiges, glungenes PAErsche-Experiment:
– unverstellter Kontakt zu den Zuschauern
– die Poesie der Vergänglichkeit und das Prozesshafte im Vordergrund
– die etwas arme Zweidimensionalität der omnipräsenten Fotographieflut wird abgelöst von direkter sensueller, auditiver, visueller und kinästhetischer Er-Inner-ung (nichts gegen Euch tolle ProfiPAErscheFotographen!!!)
– erleichterndes in Vergessenheit Geraten – Website hin oder her 🙂

 

engl. version:
Fons artem documentary
Material before:
Two white clothespins, a white egg-sized rubber band,
earplugs
Material later:
One less clothespin, Frank’s white candle.
Doing, seeing and hearing until about 8 pm:
Lying on a row of white stools, I try to relax from the buffet-set-up-reactive-space-orga-verbal-chaos, my legs vertically up the wall, Thomas below me, whistling „Die Gedanken sind frei“ („Thoughts are free“) in a loop, which, together with the never-ending background conversations, the Aachener street noises, arriving performers and spectators looking for seats, becomes too much for me in this reverberant, unpleasant acoustics of the room. Luckily I have my wonderful pink, soft ear plugs with me, with which my thoughts can become free again.
… Later I don’t need them any more, later on, as I keep getting caught in the flow of the installations composing themselves from open sources:
3 trembling and fist-banging bodies on the walls
Frank’s giant silver helium balloons, an E and an S, change their positions, become an objective universal ES (it), a SEX with an X made of black metal foil, a SEIN (being), stuffing under my shirt and a source of noise before the gas of at least the one escapes and it gets stuck on the big branch for a while like a sinking crescent
Duo with the dancing Britta in the twilight of the entrance ramp, iron door music, playing in the transparency of the rubber cloth door.
Christiane’s momentarily beautiful steel wire structure, as it lies there so unfurled, large spread out in front of the unbearably shadowless, titanium white walls.
Relaxing distribution of Constantin’s credit cards and my two clothespins to the audience.
Stacking refrigerator boxes on Anja H.’s head. Will that wake her up from her trance?
Frühe Ernte (Early harvest) – early end. Is there even an end to an open source? „Fons“ lat.: „Source“
No pictures:
For me, it’s a real experiment of PAErsche worthy of repetition
– undisguised contact with the spectators
– the poetry of transience and the processual in the foreground
– the somewhat poor two-dimensionality of the omnipresent flood of photography is replaced by direct sensory, auditory, visual and kinaesthetic re-member-ing (nothing against you great professional PAErsche photographers!!!)
– a relieving fall into oblivion – website to or fro 🙂